Flanschverbindungen nach DIN EN 1591-4

In der Praxis werden Flanschverbindungen oft unterschätzt. Viele Monteure verlassen sich auf Erfahrung, Gefühl oder „so haben wir es immer gemacht“. Das Problem: Flanschverbindungen sind keine simplen Schraubverbindungen, sondern komplexe Systeme aus.

veröffentlicht am

10.02.2024 - 15:02 Uhr

Das erfahren Sie in diesem Beitrag:

Sicher montieren, Risiken vermeiden, Ausfälle verhindern

Genau hier setzt die DIN EN 1591-4 an. Sie definiert klare Anforderungen an die Qualifikation von Personal, das Flanschverbindungen montiert, demontiert oder instand hält. Dieser Ratgeber erklärt, warum die Norm so wichtig ist, welche Fehler in der Praxis häufig auftreten und warum eine qualifizierte Schulung ein echter Sicherheits- und Wirtschaftsfaktor ist.

Warum Flanschverbindungen ein Hochrisiko-Thema sind

In der Praxis werden Flanschverbindungen oft unterschätzt. Viele Monteure verlassen sich auf Erfahrung, Gefühl oder „so haben wir es immer gemacht“. Das Problem:
Flanschverbindungen sind keine simplen Schraubverbindungen, sondern komplexe Systeme aus:

  • Flanschen
  • Dichtungen
  • Schrauben und Muttern
  • Reibwerten
  • Montagebedingungen

Schon kleine Abweichungen – falsches Schmiermittel, ungleichmäßiges Anziehen oder ungeeignete Werkzeuge – können dazu führen, dass die Verbindung nicht dauerhaft dicht ist.

Typische Folgen fehlerhafter Montage:

  • Undichtigkeiten und Medienaustritt
  • Nachziehen im Betrieb (hohes Sicherheitsrisiko)
  • Beschädigte Dichtungen
  • Überlastete oder plastisch verformte Schrauben
  • Ungeplante Stillstände und hohe Folgekosten

Was regelt die DIN EN 1591-4 konkret?

Die DIN EN 1591-4 ist keine Produktnorm, sondern eine Qualifikationsnorm. Sie regelt, welche Kenntnisse und Fähigkeiten Personen haben müssen, die mit Flanschverbindungen arbeiten.

Im Fokus stehen dabei:

  • Verständnis der Funktion von Flanschverbindungen
  • Kenntnis relevanter Normen und Regelwerke
  • Sicherer Umgang mit Dichtungen, Schrauben und Werkzeugen
  • Beherrschung geeigneter Anziehverfahren
  • Erkennen und Vermeiden typischer Montagefehler

Wichtig:
Die Norm verlangt nachweisbare Qualifikation – nicht nur Erfahrung.

Häufige Fehler bei der Flanschmontage (und warum sie passieren)

1. „Gefühltes“ Anziehen

Viele Schrauben werden per Hand oder mit einfachen Werkzeugen angezogen. Das Problem:
➡️ Kraft ist nicht messbar, Reibung nicht kontrollierbar, Ergebnisse nicht reproduzierbar.

2. Unterschätzte Reibung

Ein Großteil der eingebrachten Energie geht nicht in die gewünschte Kraftübertragung, sondern verpufft in Reibung – besonders bei ungeschmierten Schrauben oder ungeeigneten Oberflächen.

3. Ungleichmäßige Lastverteilung

Ohne systematisches Anziehverfahren entstehen lokale Überlastungen einzelner Schrauben, während andere kaum belastet sind.

4. Fehlende Dokumentation

Ohne dokumentierten Prozess ist weder Qualitätssicherung noch rechtliche Absicherung möglich.

Anziehverfahren – der entscheidende Hebel für sichere Flanschverbindungen

Ein zentrales Element der DIN EN 1591-4 ist das Anziehverfahren. Ziel ist es nicht „möglichst fest“ anzuziehen, sondern kontrolliert, reproduzierbar und normgerecht zu arbeiten.

Gängige Anziehmethoden in der Praxis:

  • Drehmomentverfahren
  • Drehwinkelverfahren
  • Kombinationen aus Voranzug und Endanzug

Entscheidend ist dabei das Verständnis, dass:

  • Reibung einen erheblichen Einfluss auf das Ergebnis hat
  • identische Drehmomente nicht automatisch identische Ergebnisse liefern
  • Schmierung, Werkzeug und Vorgehensweise zusammen betrachtet werden müssen

Eine qualifizierte Schulung vermittelt genau dieses Verständnis – nicht theoretisch, sondern praxisnah.

Praxis schlägt Theorie: Warum moderne Schulungen entscheidend sind

Viele Schulungen bleiben auf dem Papier. Das reicht nicht.
In einer hochwertigen Flanschenschulung werden technische Vorrichtungen eingesetzt, die reale Effekte sichtbar und messbar machen.

Was Teilnehmer dadurch lernen:

  • wie stark sich geschmierte und ungeschmierte Schrauben unterscheiden
  • wie viel Kraft sie beim händischen Anziehen tatsächlich aufbringen
  • warum „nach Gefühl“ keine belastbare Methode ist
  • wie sich kleine Änderungen massiv auf das Ergebnis auswirken

Dieser Aha-Effekt ist entscheidend. Denn wer die Zusammenhänge gesehen und gemessen hat, arbeitet später deutlich sicherer.

Für wen ist eine Flanschschulung nach DIN EN 1591-4 sinnvoll?

Die Schulung richtet sich nicht nur an Monteure, sondern an alle, die Verantwortung für Anlagen und Sicherheit tragen:

  • Instandhalter und Servicetechniker
  • Rohrleitungsbauer und Schlosser
  • Anlagenführer
  • Meister und Bauleiter
  • Fach- und Führungskräfte in Industrie und Energieversorgung

Gerade Unternehmen profitieren mehrfach:
✔ weniger Ausfälle
✔ höhere Betriebssicherheit
✔ bessere Nachweisbarkeit
✔ geringeres Haftungsrisiko

Rechtskonformität und wirtschaftlicher Nutzen

Ein oft unterschätzter Punkt:
Kommt es zu einem Schaden, wird geprüft, ob qualifiziertes Personal eingesetzt wurde. Eine Schulung nach DIN EN 1591-4 schafft hier einen klaren Nachweis.

Gleichzeitig ist sie wirtschaftlich sinnvoll:
Ein ungeplanter Stillstand oder eine Leckage kostet meist ein Vielfaches dessen, was eine qualifizierte Schulung kostet.

Fazit: DIN EN 1591-4 ist kein „Nice-to-have“, sondern Pflicht

Flanschverbindungen sind sicherheitsrelevant. Punkt.
Die DIN EN 1591-4 sorgt dafür, dass sie fachgerecht, reproduzierbar und nachvollziehbar montiert werden.

Unternehmen, die auf qualifizierte Schulungen setzen, gewinnen:

  • mehr Sicherheit
  • stabilere Prozesse
  • geringere Risiken
  • besser geschultes Personal

Wer hier spart, spart am falschen Ende.